Die Blutegeltherapie gehört zu den Ausleitverfahren. Diese gehen auf die Humoralpathologie zurück, derzufolge der Mensch verschiedene Säfte in sich trägt und dann krank ist, wenn diese Säfte in einem Ungleichgewicht im Körper auftreten. Um diese sogenannte Dyskrasie zu heilen, wurden und werden bestimmte Ausleitverfahren angewandt, mit deren Hilfe die schädlichen Stoffe aus dem Organismus nach außen geleitet werden. Bei der Blutegeltherapie werden Blutegel auf der Haut angesetzt, um verschiedene Krankheiten zu heilen, zu lindern und Schlacken aus dem Körper zu befördern.

Die Blutegeltherapie ist eine sehr alte Therapieform. Schon vor rund 3.000 Jahren, wurde im Orient diese naturheilkundliche Behandlungsmethode angewandt, wie vorliegende Aufzeichnungen der Babylonier belegen. Ausführlichere Beschreibungen entstanden circa 500 Jahre vor Christus im Sanskrit. Ungefähr 200 Jahre vor Christus gab es die ersten Blutegelbehandlungen in Europa, durchgeführt von den Griechen. Im 18. Jahrhundert wurden in Frankreich circa einhundert Behandlungen mit Blutegeln pro Jahr durchgeführt. Zu dieser Zeit wurde diese Methode als Vampirismus bezeichnet. Damals geriet diese Therapie sehr in Verruf, da sie recht willkürlich, ohne die Ausgangslage der Patienten zu berücksichtigen, durchgeführt wurde, noch dazu mit einer zu großen Anzahl an Blutegeln. In den letzten Jahren erlebte die Blutegeltherapie indes eine Wiedergeburt und wird inzwischen immer häufiger in Naturheilpraxen und hin und wieder auch in der Schulmedizin eingesetzt.

 


Die Blutegeltherapie trägt dazu bei, den Lymphfluss anzuregen, die Durchblutung zu fördern, zu entlasten und entgiften. Sie wirkt antientzündlich bei akuten und auch chronischen Erkrankungen. Bei akuten Entzündung tritt die Wirkung schneller ein als bei chronischen Erkrankungen, ebenso wirkt sie bei lokal begrenztem Einsatz besser als bei Krankheiten, die den ganzen Organismus betreffen.

Eingesetzt werden kann die Blutegeltherapie bei vielen verschiedenen Erkrankungen, wie Bluthochdruck, Besenreisern, Entzündungen, Gelenkbeschwerden, Furunkel, Karbunkeln, Ohrensausen, akuten Gicht-Anfällen, chronischen Entzündungen der Nasennebenhöhlen und des Mittelohrs sowie vielem mehr. Eine gewünschte Entgiftung und Ausleitung wird mit Blutegeln unterstützt. Das Haupteinsatzgebiet sind jedoch venöse Stauungen, Varikosis (Krampfadern) und die Thrombophlebitis (oberflächliche Venenentzündung).